In memoriam Roger Wepf

(28. September 1962 – 04. Juni 2026)

JEOL – Roger Wepf, aufgenommen 2025 im Rahmen der Mikroskopinstallationen am CMM, University Brisbane

Unser Kollege und Freund Roger Wepf ist am 4. Juni 2026 in Brisbane, Australien, an seiner schweren Erkrankung verstorben. Roger wurde am 28. September 1962 in Strasbourg geboren, verbrachte seine Schulzeit in der Schweiz und begann seine wissenschaftliche Karriere mit dem Studium der Biologie an der ETH Zürich, das er in der Gruppe von Heinz Gross mit seiner Promotionsarbeit in Zell- und Strukturbiologie abschloss. Seine PostDoc-Zeit verbrachte er am EMBL in Heidelberg in der Gruppe um Max Haider und Joachim Zach, wo er sich der Abbildung nativen biologischen Materials im SEM annahm, speziell der Abbildung von Fisch-Keratinozyten. Dem Thema Keratinozyten und Epidermis blieb er in seiner ersten Gruppenleiterstelle bei der Beiersdorf AG in Hamburg treu, wobei die Kryo-Präparation von organischem Material und Gewebe eine immer größere Rolle spielte. Roger wurde in dieser Zeit Teil einer Gruppe von Elektronenmikroskopikern aus Deutschland und der Schweiz, die das Ziel hatten, Cryo-Präparationsmethoden weiter zu entwickeln, die den nativen Zustand des biologischen Materials erhalten. Allein schon um spezifische Moleküle des Materials für die Mikroskopie markieren zu können. Hier war Roger ein Vertreter der Gruppe, dem es am Ende um die Beantwortung einer wissenschaftlichen Frage ging und sei es mit Hilfe einer chemischen Fixierung: Voila, ein Pragmatiker.  Trotz dieses Pragmatismus war Roger als Sprecher des „Arbeitskreises Kryo“ der DGE die treibende Kraft, diesen in „Arbeitskreis PANOS“ umzubenennen – „Preparation and Analysis of Native Organic Systems“. Das sogenannte „11. Gebot“ wurde formuliert: „Klassische chemische Fixierung vermeiden, um die Nativstruktur des organischen Systems zu erhalten“. Und spätestens seit seinem Wechsel an die ETH Zürich als Leiter der Elektronenmikroskopie ETH Zürich (EMEZ) fokussierte er sich auf die technische Weiterentwicklung der Kryo-Probenpräparation, die Handhabung der gefrorenen Proben und die korrelative Mikroskopie.

Roger verfügte über die seltene Fähigkeit, praktische Herausforderungen in der Mikroskopie zu erkennen und daraus innovative Lösungen zu entwickeln. Während seiner gesamten Laufbahn arbeitete er eng mit Instrumentenherstellern und Technologieentwicklern zusammen und trug maßgeblich zur Entwicklung von Technologien bei, die später zu kommerziellen Produkten wurden. Seine Ideen fanden Eingang in Innovationen wie das VCT Shuttle und die HPM100 (Leica Microsystems, ehemals Bal-Tec), den Shuttle-&-Find-Workflow (Zeiss) und MAPS (Thermo Fisher Scientific), Plattformen für korrelative Mikroskopie (Delmic) sowie neue Ansätze zur kryogenen Probenpräparation und -verarbeitung, die unter anderem von MICSOL und CryoCapCell aufgegriffen wurden. Damit reichte die Wirkung seiner Arbeit weit über die ursprünglichen Forschungslabore hinaus.

Mit dem Wechsel 2016 nach Brisbane, Australien, an die University of Queensland, setzte er als Leiter des Centre for Microscopy and Microanalysis seine Ideen weiter um, und erweiterte seine Aktivitäten auch in Form von sehr fruchtbaren Kooperationen mit Materialwissenschaftlern, Ingenieuren – und natürlich biomedizinischen Arbeitsgruppen.

Roger war dabei nicht nur mit den Techniken der Abbildung und Analyse im TEM und SEM befasst, am meisten lagen ihm die Mitarbeitenden in den Gruppen am Herzen. Er konnte und wollte Menschen begeistern, wobei er hoffte, sein eigenes Engagement für die Wissenschaft auf andere übertragen zu können. Auch engagierte er sich für die wissenschaftliche Community, so war er von 2012 bis 2016 Präsident der European Microscopy Society und war Hauptorganisator des Asia-Pacific Microscopy Congress in Brisbane 2025.

Für Roger war es immer ärgerlich, dass in der Community die Entwicklung von Methoden eher als nicht-wissenschaftliches Hobby betrachtet wurde. Und das, obwohl es offensichtlich ist, dass ohne all die Techniken, die immer wieder neu entstehen, kein wissenschaftlicher Fortschritt stattfindet. Daher war er federführend bei der Gründung eines neuen Journals, dem „Methods in Microscopy“, dessen erste Ausgabe 2024 erschien. Denn ohne innovative – und manchmal disruptive – Herangehensweisen lässt sich der wissenschaftliche Kenntnis-Horizont oft nicht verschieben.

Dies war sicher einer der Leitgedanken in Rogers Arbeit und Wirken.

Heinrich Hohenberg, Miriam Lucas, Martin Ritter, Rasmus Schröder

Roger Wepf – Blick von einem Gedenkplatz der Australischen Indigenous People, an dem sie ihren verstorbenen Vorfahren auf der gegenüberliegenden Flussseite gedachten